Netzwerke schaffen Chancen – gemeinsam für mehr Gleichberechtigung
Worte der Gleichstellungsbeauftragten
Bei Gleichberechtigung denkt man häufig an Unterschiede in den Löhnen, an mögliche Quoten und Gesetze. Gleichstellung ist aber mehr als nur das Einkommen. Partizipation, Bildung, Sorgearbeit, Gesundheit und Erwerbsleben sind die fünf Bereiche, die das Statistische Bundesamt im Hinblick auf Gleichstellung betrachtet.
Neudeutsch Networking (Netzwerkarbeit) hat maßgeblichen Einfluss im Bereich der Partizipation und des Erwerbslebens. Es ist eine Möglichkeit, um mehr gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Teilhabe zu erwirken. Das gilt zunächst einmal für alle Geschlechter ist aber ein Bereich, in dem Frauen einen Nachholbedarf haben.
Wie entstehen Chancen? Wer kennt wen? Wer wird gefragt? Wer fühlt sich eingeladen? Netzwerkarbeit ist ein niederschwelliger Zugang, die praktische Seite, um sich Möglichkeiten zu erarbeiten.
Netzwerke schaffen Chancen – auch im Sinne der Gleichberechtigung.
Die Forschung zeigt seit Jahren, dass berufliche Netzwerke Karrierechancen, Wissensaustausch und den Zugang zu Führungspositionen verbessern. Gleichzeitig haben Frauen häufig einen geringeren Zugang zu einflussreichen (auch informellen) Netzwerken. Berufliche Chancen entstehen aber oft nicht über Stellenanzeigen, sondern über Empfehlungen, Gespräche und das Bekanntsein. Laut Untersuchungen wird inzwischen gar nur noch jede zweite oder dritte (je nach Quelle) Stelle überhaupt ausgeschrieben. In einigen Branchen, sei es im Medien- oder Kulturbereich hängt Vieles von der eigenen Vernetzung ab. Gerade für Selbstständige sind Kontakte und Netzwerke existenziell.
Netzwerke schaffen Vertrauen, Wissen und Möglichkeiten sowohl als formelle als auch informellen Variante. Sie benachteiligen naturgemäß introvertierte Persönlichkeiten und lange Zeit auch Frauen.
Männer können häufig von bereits bestehenden beruflichen und informellen Netzwerken profitieren, die historisch gewachsen sind. Da Frauen lange Zeit von vielen beruflichen Bereichen und Führungspositionen ausgeschlossen waren, hatten sie deutlich seltener die Möglichkeit, vergleichbare Netzwerke aufzubauen oder an ihnen teilzuhaben. Bereits vor gut hundert Jahren begannen Frauen, eigene Netzwerke zu gründen. Häufig hatten diese auch Gleichberechtigungsthemen zum Inhalt. Die historisch bedingten Unterschiede wirken teilweise bis heute nach. Studien weisen darauf hin, dass Frauennetzwerke häufig aus Personen mit ähnlichen Hierarchiehintergrund bestehen. Männer scheinen hingegen ihre Netzwerke häufiger auch auf Personen in höheren Führungspositionen auszurichten und stärker auf den eigenen (beruflichen) Aufstieg.
Inzwischen gibt es zahlreiche Netzwerke für Frauen, sie haben aber oft später Zugang zu informellen Entscheidungskreisen. Frauennetzwerke, Mentorinnenprogramme und kommunale Netzwerke gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Netzwerke entstehen nicht von allein. Sie wachsen dort, wo Menschen einander zuhören, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen. Jede Begegnung, jedes Gespräch und jede Einladung kann ein Anfang sein. Gleichberechtigung lebt deshalb nicht nur von Gesetzen – sondern auch von Beziehungen. Beziehungen benötigen aber auch Zeit und das ist für Frauen neben einer Berufstätigkeit, Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege von Angehörigen etwas, wovon sie oft wenig übrighaben.
Dennoch lohnt es sich – auch außerhalb der Karriere. Das sprichwörtliche Dorf kann auch aus unterschiedlichsten Netzwerken verschiedener Interessengruppen bestehen – sei es die Krabbelgruppe in der Elternzeit, einem Frauenstammtisch, einer Austauschgruppe zu einem Hobby.
Der Aufbau offener und vielfältiger Netzwerke ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit, zum Nutzen jeder und jedes Einzelnen. Und sich gegenseitig zu fördern, sich trotz gravierender Unterschiede zu unterstützen, ist etwas, was Frauen manchmal vielleicht noch lernen müssen.
Ihre Steffanie Geyer
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