Gleichstellung und Gesundheit

Teil 2 Frauengesundheit

Gleichstellung setzt nicht auf Gleichartigkeit.

Dies ist wohl nirgendwo von größerer Bedeutung als beim Thema Gesundheit. Krankheitsverläufe, Symptome und Therapieerfolge zeigen teils erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Auch im Gesundheits- und Vorsorgeverhalten lassen sich teils signifikante Differenzen feststellen. Eine gendersensible Differenzierung in der Medizin gilt daher zunehmend als unverzichtbar.

 

Lange Zeit wurden frauenspezifische Aspekte in der medizinischen Forschung und Praxis vernachlässigt. Medizinische Studien wurden und werden teils überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt – mit der Folge, dass Diagnosen, Therapien und Dosierungen nicht immer optimal auf Patientinnen abgestimmt sind. 

 

Herzinfarkte wurden Studien zufolge bei Frauen bis zu 50% häufiger fehldiagnostiziert, weil diese sich bei ihnen „atypisch“, also schlicht anders als bei Männern äußern. Die Folgen sind gravierend: verspätete Behandlungen und eine höhere Mortalitätsrate. Auch in der Pharmakologie zeigt sich eine Schieflage: Medikamente werden häufig auf Basis männlicher Stoffwechselwerte dosiert. Frauen reagieren jedoch teilweise anders auf Wirkstoffe, was zu stärkeren Nebenwirkungen führen oder eine verminderte Wirksamkeit zur Folge haben kann. Es gibt Hinweise, dass Frauen empfindlicher auf bestimmte Schmerzmittel reagieren und daher häufiger mit größeren Nebenwirkungen zu kämpfen haben bzw. die Standarddosierung für sie zu hoch gewählt ist.

 

Noch 2018 stellte die US-amerikanische FDA in einer Studie fest, dass 70 % der Studienprobanden männlich waren. Tendenzen lassen sich auch in Deutschland feststellen. Zudem waren frauenspezifische Gesundheitsfragen wie Endometriose, Menstruationsbeschwerden, die Menopause oder Brustkrebs lange gesellschaftlich tabuisiert. Heute rücken sie zunehmend in den Fokus – sowohl im öffentlichen Diskurs als auch in der medizinischen Forschung. Diese Entwicklung ist überfällig, denn das Verschweigen solcher Themen hat Folgen: Es führt nicht nur zu verzögerten Diagnosen und mangelhafter medizinischer Versorgung, sondern auch zur gesellschaftlichen Unsichtbarkeit der betroffenen Frauen. Eine offene Auseinandersetzung ist daher von zentraler Bedeutung – sowohl aus gesundheitspolitischer als auch aus sozialer Perspektive.

 

Die EU hat deshalb in den letzten Jahren Richtlinien zur Förderung der geschlechtergerechten Forschung eingeführt. In Deutschland setzen sich Institutionen wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verstärkt für die Integration des Gender-Aspekts in die medizinische Forschung ein.

 

Ihre Steffanie Geyer

Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Michendorf

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Veröffentlichung

Di, 29. Juli 2025

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